Firmengeschichte

SCHIEDMAYER – SEIT 1735 IM DIENSTE DER MUSIK

Die Familie Schiedmayer ist seit fast 300 Jahren in der Herstellung von Tasteninstrumenten tätig. Es ist ein seltenes Phänomen in der Geschichte des Musikinstrumentenbaus, dass sich Mitglieder derselben Familie 300 Jahre mit ungebrochener Hingabe einem sich ständig weiter entwickelndem Handwerk widmen.

Beginn einer Klavierbaudynastie

Am 25. Oktober 1711 wird in Erlangen Balthasar Schiedmayer, der zum Stammvater einer ganzen Klavierbauerdynastie werden wird, geboren. Bereits im Jahre 1735 baute er sein erstes Clavichord, nachdem er das Schreinerhandwerk gelernt hatte.

Zu dieser Zeit wurden Musikinstrumente in erster Linie von Schreinern gefertigt, die zuvor aber ein Gesuch beim Stadtmagistrat einreichen mussten, um nach bestandener Fähigkeitsprobe eine amtliche Bestätigung zu erhalten.

Im Erlanger Einwohnerbuch wird er eingetragen als Orgel- und Claviermacher. Einer von Schiedmayers wichtigsten Kunden war der recht anspruchsvolle Komponist und Organist Christian Friedrich Daniel Schubart. Dieser schreibt in seiner Lebensbeschreibung von 1791 rückblickend: „Ich war damals der beste Flügelspieler und Dichter in Erlang; … Von Leidenschaften gepeitscht, braußt‘ ich unter meinen Freunden sinnlos einher, ohne Ordnung, ohne Klugheit, ohne Fleiß, ohne Sparsamkeit, häufte Schulden auf Schulden, und ward von meinen Gläubigern ins Karzer geworfen, worinn ich vier Wochen lag, und bei den Besuchen meiner Freunde, einer zärtlich, mich mit Thränen beklagenden Freundin und bei einem guten Klaviere, von Schüttmayer, die Schande des Gefängnisses beinahe vergaß …“

Geburtshaus von Balthasar Schiedmayer in Erlangen

Geburtshaus Balthasar Schiedmayer, Erlangen

Erfolgreiche Söhne

Von Balthasar Schiedmayers sind heute leider keine Instrumente mehr erhalten. Er starb am 5. Oktober 1781 und hinterließ seinen drei Söhnen Johann Christoph Georg (1740-1820) Schreinermeister, Orgel- und Instrumentenmacher-Klavichordbauer in Neustadt an der Aisch, Adam Achatius (1745-1817), Klavierbauer und Johann David Schiedmayer (1753-1805) neben profunden Kenntnissen auch das Familienhaus mit Werkstatt in Erlangen, Theaterstr. 27. Der älteste Sohn, Johann Christoph Georg, hat sich in Neustadt an der Aisch niedergelassen und wurde ein bekannter Klavichordbauer. Leider ist von ihm, im Gegensatz zu seinem Bruder Johann David, kein Arbeitsbuch erhalten, das Aufschluss über die Zahl und Art der Instrumente bzw. derer Empfänger gäbe. Dennoch sind einige Klavichorde von ihm erhalten sowie unter anderem zu sehen im Landesmuseum Stuttgart, Museum of Fine Arts in Boston, Mass., USA. Der zweitälteste Sohn von Balthasar, Adam Achatius, blieb Zeit seines Lebens in seinem Geburtsort Erlangen und war natürlich auch Klavierbauer. Von seinem Sohn, Johann Erhard, ist ein Tafelklavier aus dem Jahr 1818 erhalten und wurde am 16.10.2011 während der Jubiläumsfeier anlässlich des 300. Geburtstags des Firmengründers gespielt.

Ruhm als Klavierbauer

Der jüngste und berühmteste der drei Söhne von Balthasar Schiedmayer war Johann David. Er erlernte die Grundzüge des Klavierbaus bei seinem Vater, und sein Ruhm als Klavierbauer breitete sich rasch nach Begründung seiner Werkstatt im Jahr 1781 aus. 1778 ging er nach Augsburg, um in dem Betrieb von 
Johann Andreas Stein zu arbeiten. Nach dem Tod seines Vaters 1781 lässt sich Johann David wieder in Erlangen nieder. Zu einem späteren Zeitpunkt folgt er seinem Schreiner nach Nürnberg, da nur dieser seinen hohen Ansprüchen Genüge tun konnte. Schiedmayers Werkstatt in Nürnberg befand sich in einem Haus Am Spitzberg 5, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Für die Fertigung eines Hammerflügels benötigte Schiedmayer zwei bis vier Monate, baute er seine Instrumente doch mehr oder weniger von eigener Hand. Die lange Herstellungszeit spiegelt sich in der äußersten Präzision wider, mit der seine Instrumente gefertigt sind, und die ihnen bis heute eine herausragende Stellung verleiht. Eines seiner Instrumente, ein Hammerflügel Nr. 7 aus dem Jahr 1783, wurde ebenfalls am 16. Oktober 2011 während der Jubiläumsfeier gespielt. Glücklicherweise ist auch das Arbeitsbuch von Johann David noch erhalten, und es findet sich zu eben diesem Hammerflügel folgender, von ihm verfasster Eintrag: „Das 7te Instrument bekam H. von Kerpen, Dom Capitular in Wirzburg (Würzbug). Es ist mit besonderen Beyfall aufgenommen worden, der Preiß war bestimt 300f Aus meinen Händen kam es den 5 December 1783 bin damit selbst nach Würzburg gereist.“

Johann David Schiedmayer 1753-1805

Herrliches Fortepiano

Carl Friedrich Cramer beschreibt eben dieses Instrument in seinem „Magazin der Musik“, Hamburg 1783-87. II/1, S. 126: „Den…December 1783 / Personale der Musik in Erlangen … N.S. Das herrliche Fortepiano, das die vorige Woche wieder aus den Händen des hiesigen Instrumentenmachers Herr Johann David Schiedmayer gegangen, und nach Würzburg bestimmt ist, verdient ebenfalls bemerkt zu werden, da es ebenso vortrefflich ausgearbeitet worden, wie diejenigen, die er bisher schon verfertigt hat.“

Hofinstrumentenmacher

Schiedmayers Gesundheit war offenbar dauerhaft angegriffen, und so müssen die Nachrichten der freyen Reichstadt Nürnberg vermelden: „1805 den 20. März starb allhier Herr Johann David Schiedmayer, Hochfürstl. Brandenburgischer Hofinstrumentenmacher und Ehrenmitglied der hiesigen Gesellschaft zur Beförderung der vaterländischen Industrie, in einem Alter von 52 Jahren. Er erwarb sich durch seine großen Talente im Verfertigen der trefflichsten Instrumente einen unvergesslichen Ruhm.“

Stuttgarter Gemeinschaftsfirma

In der nächsten Generation findet sich der zweifelsfrei berühmtesten Enkel von Balthasar: Johann Lorenz (geb. 1786 in Erlangen – gest. 1860 in Stuttgart), Sohn von Johann David. Er war der erste Schiedmayer, den es nach Stuttgart verschlagen hat. Johann Lorenz hatte das Handwerk bei seinem Vater erlernt, führte zunächst dessen Betrieb und auch Werkstattbuch fort, verließ aber, als Nürnberg 1806 zu Bayern kam, die Stadt und ging zu der befreundeten Klaviermanufaktur von Andreas und Nanette Streicher nach Wien. Dort lernte er den jungen Klavierbauer Carl Friedrich Dieudonné aus Ludwigsburg kennen. Als Wien zum 2. Male von den Franzosen besetzt wurde, entschieden sich die zwei Freunde, die Stadt zu verlassen und nach Stuttgart zu gehen. So entstand 1809 in Stuttgart, in einem Hintergebäude des Hauses Charlottenstr. 4, die Firma Dieudonné und Schiedmayer. Die beiden Freude waren fortwährend bestrebt, ihre Arbeiten zu verbessern. Die englische Mechanik wurde eingeführt und in der Fabrikation umgesetzt. Das Unternehmen wurden in den Folgejahren bald über die Grenzen der Region hinaus bekannt.

Johann Lorenz Schiedmayer 1786-1860
Fabrikmarke Schiedmayer 1809

SCHIEDMAYER 1809 – STUTTGART

Fabrikbauten in Stuttgart/Neckarstraße

Eine ständige wachsende Nachfrage machte eine Vergrößerung des Betriebes notwendig, und so wurde 1821 ein eigenes, von Hofbaumeister Thouret gebautes Gebäude in der Neckarstraße, jetzige Konrad Adenauer Straße, bezogen. Auf dem damaligen Schiedmayer-Gelände befinden sich heute das Haus der Geschichte und die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass Johann Lorenz 1857 Mitgründer der Musikschule / Musikhochschule war.

Handbuch zur Pflege des Klaviers

1824 gaben Dieudonné und Schiedmayer ein Büchlein heraus: „Kurze Anleitung zu einer richtigen Kenntnis und Behandlung der Forte-Pianos in Beziehung auf das Spielen, Stimmen und Erhalten derselben, besonders derer, welche in der Werkstätte von Dieudonné und Schiedmayer in Stuttgart verfertigt werden.“ Es existiert ein Reprint von diesem Büchlein, herausgegeben von Elianne Schiedmayer 1994. Empfehlenswert ist diese Werk auch für jeden Klavierbauer hinsichtlich der deutschen und der englischen Mechanik.

Johann Lorenz übernimmt

Dieudonné starb 1825. Lorenz wurde Alleininhaber der Firma, und die ganze Arbeit lastete somit alleine auf ihm. Er hat sich dieser Aufgabe sehr erfolgreich angenommen, davon zeugt die lange Kundenliste. Seine Instrumente wurden in alle Herren Länder versandt. Klaviervirtuosen und Komponisten waren damals schon mit dem Hause Schiedmayer eng verbunden, so z. B. Clara Schumann, Franz Liszt und Friedrich Silcher, der sogar für ein paar Jahre im Hause Schiedmayer gewohnt hat. Im Rahmen der Jubiläumsfeier am 16.10.2011 wurde ein Vortrag von Dr. Wolfgang Seibold über „Franz Liszt und seine Beziehung zu dem Hause Schiedmayer“ gehalten.

Erste Harmoniumfabrik Deutschlands

Johann Lorenz war Vater von vier Söhnen und einer Tochter. 1845 traten die beiden ältesten Söhne, Adolf und Hermann, als Teilhaber in den väterlichen Betrieb ein – die Firma Schiedmayer & Soehne Stuttgart, Hofpianofortefabrik wurde gegründet. Die beiden Jüngeren, Julius und Paul, hatte der Vater nach Paris geschickt, um bei Alexandre-François Debain den Harmoniumbau zu erlernen. Nach ihrer Rückkehr nach Stuttgart baute der fürsorgliche Vater im Jahre 1853 für sie eine Harmoniumfabrik neben seinem Anwesen in der Neckarstraße. Es erfolgte die Gründung der Firma J & P Schiedmayer, später Schiedmayer Pianofortefabrik, die erste Harmoniumfabrik in Deutschland.

Zwei Schiedmayer-Fabriken in Stuttgart

Fabrikanlage der Schiedmayer & Soehne 1909

Schiedmayer & Soehne

J. & P. Schiedmayer Pianofortefabrik Stuttgart

J. & P. Schiedmayer

Schiedmayer & Soehne und J & P Schiedmayer wurden zu den größten Klavierbaufirmen ihrer Zeit im süddeutschen Raum. Es waren zwei Fabriken in Stuttgart mit Dependancen in Ulm und Plochingen und Niederlassungen in Berlin und Saarbrücken. 1890 begann J. + P. Schiedmayer, neben der Fertigung von Pianinos, Klavieren, Flügeln und Harmonien, auch die Celesta herzustellen. Auch ausgefallene Kombinationsinstrumente wie die Schiedmayer-Scheola, eine Mischung aus Harmonium und Celesta, und selbstspielende mechanische Instrumente (Phonola: selbstspielendes Klavier mit Hupfeld-Mechanik) gehörten zur Produktpalette.

Konkurrierende Verwandte

Es geschah mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass im Stammhaus (Schiedmayer & Soehne) der Klavierbau und in der jüngeren Fabrik der Harmoniumbau betrieben werden sollte. Es existierten also zwei Fabriken Schiedmayer in Stuttgart. 1860 starb Johann Lorenz, das Familienoberhaupt, und entgegen dessen Wunsch gingen die jüngeren Söhne zum Bau von Pianoforte über und die beiden älteren Söhne zum Bau von Harmonien. So wurden die Verwandten zu Konkurrenten.

Weitere Firmen

Es blieb allerdings nicht bei den beiden Firmen. Die Tochter von Johann Lorenz, Louise Schiedmayer, heiratete Karl Müller. Ihr gemeinsamer Sohn Erwin senior lernte den Pianobau sowohl bei Schiedmayer & Soehne als auch bei J. und P. Schiedmayer. Er arbeitete ab 1868 bei Steinway & Sons in New York, bevor er 1874 die Klavierfabrik Müller-Schiedmayer in Würzburg gründet. Die Fabrikationsgebäude wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das Unternehmen wurde 1968 an das Pianohaus Karl Lang, München, verkauft. Dieses wiederum wurde 2001 vom Steinway-Haus München übernommen.

Allgemeiner Aufschwung

Als J. L. Schiedmayer 1860 starb, hinterließ er seinen Söhnen als Lebenswerk einen Betrieb, der längst keine handwerkliche Werkstätte mehr war, sondern ein industrieller Großbetrieb, dem eine Menge Auszeichnungen verdienterweise zugefallen waren. Bereits 1861 folgte ihm sein Sohn Hermann Sr. im Tode nach, und der andere Sohn Adolph Sr. musste nun allein die Verantwortung für die Firma Schiedmayer & Soehne tragen. Der allgemeine Aufschwung Ende des neunzehnten Jahrhunderts wirkte sich aus: Export nach allen Ländern der Erde, Auszeichnungen, Medaillen und Ehrendiplome werden diesen Firmen erteilt.

Königlicher Hoflieferant

Aber auch die Menge der Aufträge lässt den umsichtigen Adolf Schiedmayer nie den Grundsatz seiner Väter vergessen, dass nur Qualität und dauernde persönliche Überwachung den Ruf des Hauses sichern können. Es war für Adolph Senior. nicht mehr möglich, allein den Betrieb zu führen. Adolph Junior, sein Sohn, und Hermann Jr., sein Neffe, beide in den führenden Weltfirmen geschult, wurden seine Mitarbeiter und 1875 Teilhaber der zur Königlich Württembergischen Hoflieferantin bestellten Firma. Adolf Junior. wurde 1881 in Anerkennung seiner Verdienste um Stadt und Land zum „Geheimen Commerzienrat“ ernannt. Durch seine Initiative wurde 1909 die „Königliche Fachschule für die Klavierindustrie“ in Stuttgart gegründet.

Geheimrat Adolf Schiedmayer

Adolf Schiedmayer Jr. (1847-1921)

Lebenswerk vernichtet

Im Jahr 1909 wurde das hundertjährige Bestehen der Firma in Stuttgart gefeiert. Auch König Wilhelm II. und Königin Charlotte zählte man unter den Gratulanten. Niemand ahnt, dass fünf Jahre später der Erste Weltkrieg ausbrechen würde. Der Krieg bringt viele Einbußen mit sich: Sperrung der Grenzen, Material- und Arbeitermangel. 1919 gelang es Adolf Jr., zusammen mit seinem Neffen Gustav (Sohn von Hermann Jr.) den Betrieb wieder in erträgliche Bahnen zu leiten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, ergab sich für die Schiedmayers die gleiche Situation wie 25 Jahre zuvor: kein Material, keine Arbeitskräfte, keine Verbindung zu den ausländischen Kunden. Dreimal wurden die Firmengebäude von Bomben getroffen. Das dritte Mal, in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 1944, brannte das ganze Anwesen bis auf die Grundmauern nieder. Das Lebenswerk der Klavierbauer-familie Schiedmayer in Stuttgart war vernichtet. Das Unternehmen erlitt einen schweren Schlag.

Wiederaufbau nach Kriegsende

1946: Der Krieg ist zu Ende. Nur wenige glauben an einen Wiederaufbau. Der damalige Geschäftsführer Gustav Schiedmayer (1883-1957), Ur-Enkel von Johann Lorenz, ließ sich jedoch nicht entmutigen. Schon im September 1946 wurde mit den zur Verfügung stehenden Mitteln mit dem provisorischen Wiederaufbau begonnen. Für ein endgültiges, modernes Gebäude in der Neckarstrasse (heute Konrad-Adenauer-Strasse) in Stuttgart hatten sich Gustav Schiedmayer und sein Sohn Georg (1931-1992) in den 60er-Jahren Pläne zeichnen lassen und mehrere Baugesuche eingereicht. Diese wurden jedes Mal abgelehnt und schließlich untersagt, da an gleicher Stelle die Kulturmeile schon geplant war. 1969 musste die Firma Schiedmayer unter Androhung der Enteignung das Gelände verlassen. Auf dem damaligen Schiedmayer-Gelände befinden sich heute das Haus der Geschichte und die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.

Fabrikation in Altbach

Im selben Jahr, 1969, übernahm Georg Schiedmayer persönlich als einziger Besitzer und Gesellschafter die Schiedmayer Pianofortefabrik, vormals Julius & Paul Schiedmayer, von den damaligen Besitzern, Max und Hans Schiedmayer. Die Fabrikation der Schiedmayer & Soehne Instrumente wurde in die Fabrikationsgebäude von J. + P. Schiedmayer nach Altbach/Plochingen verlegt und fortgesetzt. Diese Gebäude wurden glücklicherweise im Krieg nicht zerstört.

Fabrikanlage in Altbach bei Plochingen

Klavierproduktion wird eingestellt

Im Jahre 1980 wird dann die komplette Klavierproduktion eingestellt. Die Märkte waren gesättigt, die asiatische Konkurrenz löste einen zusätzlichen Verdrängungswettbewerb aus. Eine Kooperation mit der Firma Ibach, die Klaviere unter der Marke Schiedmayer herstellen sollte, stellte sich als nicht praktikabel heraus und Georg Schiedmayer hat sich bald aus der unbefriedigenden Zusammenarbeit zurückgezogen. Mit den von Ibach produzierten Klavieren hatte deshalb die seit 1735 existierende Instrumentendynastie Schiedmayer nichts mehr zu tun. Dies gilt vor allem auch für die sogenannten Schiedmayer-Klaviere, welche im Auftrag von Ibach bei den Firmen Roth & Junius, Young Chang, Concorde, Kawai, Sauter, Seiler und Steinberger angefertigt wurden. Es wird in diesem Zusammenhang mit aller Deutlichkeit hingewiesen, dass weder die Firma Schiedmayer und Soehne noch Schiedmayer Pianofortefabrik, vormals J. & P. Schiedmayer, noch deren Logos und Firmenmarken jemals an Ibach verkauft wurden.

Die weiterhin bestehende Schiedmayer Pianofortefabrik (vormals J. & P. Schiedmayer), nach wie vor im Besitz von Georg Schiedmayer bzw. Elianne Schiedmayer, war immer noch unter der Nummer HRA 761 beim Amtsgericht Stuttgart eingetragen. Im Jahr 2008 wurde diese Firma durch Elianne Schiedmayer beim HR gelöscht.

Spezialisierung auf Celesta

Im Zuge der Übernahme der Schiedmayer Pianofortefabrik hat die Firma Schiedmayer & Soehne ab 1969  auch die Herstellung von Celesten als Produktionsschwerpunkt betrieben. Diese Instrumententradition wurde ja schon im Jahre 1890 von J. & P. Schiedmayer (ab 1875 umfirmiert in Schiedmayer Pianofortefabrik) aufgenommen.

1980 wird die Firma Schiedmayer & Soehne in Schiedmayer & Soehne GmbH & Co. KG umfirmiert. Kommanditisten sind Georg Schiedmayer und seine Mutter Henriette (Hete) Schiedmayer, geborene Sieckmeyer. Ab diesem Zeitpunkt spezialisiert sich die Familie Schiedmayer voll und ganz auf den Bau von Celesten und Tastenglockenspielen.

Elianne Schiedmayer übernimmt

1985 wird die Produktion von Celesten und Tastenglockenspiel nach Wernau bei Plochingen verlegt. Sieben Jahre später verstirbt Georg Schiedmayer unerwartet. Seine Witwe Elianne Schiedmayer, geb. Villard, Pianistin und Musikpädagogin, übernimmt die Geschäftsführung. Sie entschloss sich 1995 (nach dem Tod Ihrer Schwiegermutter Henriette Schiedmayer) für die Gründung der Schiedmayer Celestabau GmbH. Weitere fünf Jahre später, im Jahr 2000, zog das Unternehmen in eigene Räumlichkeiten nach Wendlingen am Neckar, nahe Stuttgart, und firmiert seit 2003 nunmehr unter dem Namen „Schiedmayer Celesta GmbH“. Geschäftsführende Gesellschafterin ist Elianne Schiedmayer.

Dieses Unternehmen (Schiedmayer C. GmbH) baut auf die glückliche Entscheidung von Georg Schiedmayer, sich im Jahre 1980 auf die Herstellung der Celesta und des Tastenglockenspiels mit Holzresonatoren zu spezialisieren. Schiedmayer-Instrumente werden weiterhin in Wendlingen hergestellt und sind im wahrsten Sinne „Made in Germany“.

Die Produktpalette umfasst Celesten in vier Modellen (4 bis 5 ½ Oktaven), Tastenglockenspiele und Einbau-Celesten/Glockenspiele.

Elianne Schiedmayer

Elianne Schiedmayer

Firmensitz in Wendlingen

Die Celesta – Erfindung & Konstruktion

Die Celesta wurde 1886 von Charles Victor Mustel, Harmonium-/Orgelbauer in Paris, erfunden. Das Original-Patent mit der Nummer 176.530 befindet sich im Institute National de la Proprieté (inpi), Paris. Die Einzigartigkeit dieses neuen Instruments, dem Victor Mustel auch den Namen „Celesta“ gab, ist in der Art der Tonerzeugung zu finden.

Die Schiedmayer Celesta GmbH ist heutzutage die einzige Firma weltweit, welche die Celesta nach den Vorgaben ihres Erfinders Victor Mustel herstellt.

Die Schiedmayer Celesta GmbH möchte bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass Instrumente unter der Bezeichnung Celesta angeboten wurden und werden, die aber den räumlichen bzw. mechanischen Vorgaben Mustels nicht entsprechen und damit keine Celestas sind. U. a. produzieren der japanische Hersteller Yamaha und die deutsche Firma Kolberg neue Instrumente, die aber mit einer Flügelmechanik ausgestattet sind. Die Klangplatten werden dabei wie die Saiten bei einem Flügel von unten angeschlagen (eine andere Mechanik, als Mustel für die Celesta-Klangerzeugung vorgibt). Diese Instrumente werden aber irreführenderweise trotzdem Celestas genannt.

Schiedmayer Celesta Mechanik

Die Celesta-Mechanik

Weltweit vertreten

Weltweit gibt es kaum Orchester, Opernhäuser, Theater, Musikhochschulen, Aufnahmestudios oder Rundfunkstudios, wo nicht Schiedmayer-Instrumente erklingen. Dementsprechend beliefert das Unternehmen bekannte und renommierte Orchester und Spielstätten, wie die Berliner Philharmoniker, das New York Philharmonic Orchestra, das Opernhaus in Stuttgart, das London Symphony Orchestra, die Juillard School of Music New York, die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, die Wiener Staatsoper und das Opernhaus in Shanghai. Selbst die norwegische Band „a-ha“ und das Orchester von André Rieu orderten bei Schiedmayer ihre Celesta . Sogar in ganz entfernten südlichen Gegenden, wie z. B. Frutillar Bajo/Chile und Hobart/Tasmanien sind Schiedmayer-Instrumente heute zu finden.

Dieser weltweite Erfolg der Schiedmayer Instrumente ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von fachkundiger und leidenschaftlicher Handwerkskunst verbunden mit jahrhundertelanger Erfahrung im Tasteninstrumentenbau.